Zugmöbel

ZugMöbel
2009

Animation 4:04 min., als Schleife laufend, gezeichnete und digital weiterverarbeitete Bilder und Klänge in Rauminstallation

ZugMoebel5

Die Animation „ZugMöbel“ entsteht aus zwei verschiedenen Ansätzen: Der erste Ausgangspunkt ist die Beobachtung der eigenen Handlungen: Das Verrücken der eigenen Möbel im (WG)Zimmer, einhergehend mit emotionalen Veränderungen und einem Streben nach Abwechslung.

Da es oftmals schwierig ist, Umstände unmittelbar ändern zu können, wird nach einer Alternative gesucht. Das gute Gefühl, das durch das Verschieben der Möbel ausgelöst wird, ist zeitlich begrenzt und dringt nicht in die Tiefe des Problems vor, doch bringt es eine Befriedigung mit sich.

Der zweite Ansatz geht auf die literarischen Vorlagen „Voyage autour de ma chambre“ (Reise um mein Zimmer) von 1790, erschienen 1794, und Teil 2: „Expédition nocturne autour de ma chambre“ (Nächtliche Expedition um mein Zimmer) von 1798, erschienen 1825, von Xavier de Maistre, zurück.
De Maistre verfasst Reiseberichte der anderen Art. Das Reisen durch das eigene Zimmer biete zwar keine „exotischen Destinationen“, doch dafür die „Entdeckung des Alltäglichen“, die „Erforschung des Selbstverständlichen“.
Die niedergeschriebenen „Expeditionen“ des Autors behandeln etwa die Vorzüge einzelner Möbelstücke, die Entdeckung der verschiedenen Blickachsen innerhalb eines Zimmers und die Bedeutung der einzelnen Gegenstände (im Bett treffen sich Liebende, werden Kinder gezeugt, Kinder geboren, es dient als Sterbebett: „ein Bett sieht, wie wir geboren werden und wie wir sterben; es ist die Bühne auf der das Menschengeschlecht abwechselnd interessante Dramen, lächerliche Posen und entsetzliche Tragödien aufführt […]“).

Die Bedeutung einzelner Möbel, wie sie de Maistre beschreibt, kann je nach emotionaler Verfassung auch als Last empfunden werden. Dennoch sind die eigenen Möbel sorgfältig ausgesuchte, angeordnete und vom persönlichen Leben eingenommene Nutzgegenstände, die man daher in den wenigsten Fällen entsorgen oder aussortieren möchte.
Das bedeutet aber auch, dass eine angestrebte Veränderung der unmittelbaren Wohnumgebung nur in engen Grenzen möglich ist. Denn es werden dieselben Möbelstücke in einem Zimmer sein. Vor wie nach dem Umräumen.

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